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Samstag, 5. Juni 2021

Unwörter

 Gestern zog seit langem mal wieder ein heftiges Unwetter über unsere Heimat Rheinhessen und brachte uns ordentlich Regen und ein paar Blitze. Die Nachrichten hatten das schon abgekündigt und an einigen Orten war es so heftig, daß die Keller mit Wasser vollliefen.

gewitter by
Michael Pollak on flickr

In unserem Garten brüten zur Zeit zwei Meisenpaare: ein Pärchen Kohlmeisen und ein Pärchen Blaumeisen. Ich fragte mich, wie sie so ein Gewitter empfinden. Haben Sie vielleicht Angst vor den dicken dunklen Wolken und dem starken Regen ? Die Jungen sind in den Nistkästen ja halbwegs sicher, aber was machen die Eltern so lange während dem heftigen Regen ? Empfinden sie das ganze überhaupt als Bedrohung, oder ist das für sie ein ganz normales Wetter ? Wir nennen es "Unwetter" und heutzutage wird man durch die allgegenwärtigen Nachrichten darüber ganz kribbelig gemacht.

Warum nennen wir es Unwetter ? Weil es ein Wetter ist, das uns nicht so ganz in den Kram paßt. Ein Wetter mit zu viel Wasser, bei dem wir Überschwemmungen oder Blitzschlag fürchten. 

Genauso verhält es sich mit Unkraut. Unkraut ist Kraut das da nicht wachsen soll, wo wir es mühsam ausreißen um Platz für Pflanzen zu schaffen, von denen wir gerne hätten daß sie da wachsen, obwohl das vielleicht ökologisch gar nicht sinnvoll ist. Während das Unkraut spielend unter widrigsten Umständen spriest, müssen wir unsere Kulturpflanzen mit hohem Aufwand pflegen und hetscheln, womöglich sogar mit Dünger und Giften versorgen, damit sie da gedeihen, wo eigentlich besser das von uns so genannte Unkraut wachsen würde.

Unkraut bringt Blüten hervor wie Blumen auch, bietet Insekten Nahrung, dient oft sogar als Heilpflanze, wenn man sich damit auskennt. Für uns ist es Unkarut, weil es unseren Vorstellungen oder Plänen im Wege steht.

Weiteres Beispiel: Unkosten. Was sind Unkosten anders als schlicht und einfach Kosten ? Warum nennen wir sie Unkosten ? Vermutlich weil wir sie ursprünglich nicht im Blick hatten uns sie "plötzlich" als Zusatzkosten für uns auftauchen: für das Auto, das Haus, das Unternehmen, das wir gerade gegründet haben.

"Un" steht also wohl immer für etwas, das uns stört. In der Natur gibt es sowas nicht. Da gibt es nur Wetter und Kraut, und alles hat seinen ökologischen Preis.

Freitag, 16. September 2016

DHL–Wir sind angeblich für Sie da

OK, muß das jetzt loswerden, manchmal dient so ein Blog eben auch als Kummerkasten.
Habe vorletzte Woche versucht einen Brief zu schicken an die Verkehrsgesellschaft Mittelhessen, Raiffeisenstr. 8 in Usingen; die Adresse wurde mir so am Telefon genannt. Während unseres Urlaubs kam der Brief zurück mit dem Hinweis: “Empfänger/Firma unter der angegebenen Anschrift nicht zu finden”.
Habe daraufhin im Internet die Adresse ausfindig gemacht. OK, es ist die Raiffeisenstr. 10. Verwirrtes Smiley. Diese Postboten der DHL schauen also während ihrer Arbeit keinen Zentimeter nach links oder rechts. Dienst nach Vorschrift, stur wie Automaten.
Habe also einen neuen Umschlag erstellt und zur Post gebracht um mich darüber zu beschweren. “Die Post beschäftigt zur Zeit viele Studenten”, bekam ich zu hören. “Was wollen Sie erwarten bei dem Stundensatz ?”
Aha. Zähnezeigendes Smiley. Studenten also. Das sind doch die die zukünftig Brücken bauen, Flugzeuge entwickeln und vielleicht sogar als Ärzte tätig werden. Wie auch immer. Man kriegt, für was man bezahlt. Geiz ist geil. Mindestlohn = Mindestleistung. Ich als Kunde zahle aber 1,45 Euro für diesen schlechten Service, in diesem Fall sogar gleich zweimal, denn der Postbeamte konnte meinen zweiten Umschlag natürlich nicht auf Kosten der DHL nochmal auf die Reise schicken. “Wie soll das gehen ?” strahlte er mich an und drückte mir ein gelbes Kärtchen in die Hand mit einer Web-Adresse, wo man sich eventuell beschweren kann.

Update 30.9.2016
Der zweite Umschlag kam auch zurück. Lag wohl also nicht an der Hausnummer, der Postbote hatte einfach keine Lust oder ist unfähig.
Während ich in den Dolomiten wandern war hat sich meine Frau dahinter geklemmt und einen Weg gefunden die Beschwerde an die richtigen Stelle zu adressieren.. Mittlerweile hat die DHL eingestanden daß die Adresse korrekt war und daß sie ihren Postboten zu sorgfältigerer Arbeit anhalten wollen. Außerdem haben Sie uns € 7,00 in Briefmarken zugeschickt.

Sonntag, 13. April 2008

Macht

"Es ist merkwürdig, Harry, aber diejenigen, die nie nach Macht strebten, sind vielleicht am besten geeignet sie auszuüben.", so spricht ein großer Zauberer zu Harry Potter im Kapitel "King's Cross" im Buch "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" von Joanne K. Rowling.

Wie wahr ! Und wie tragisch im Grunde genommen das Dilemma, in dem sich unsere Gesellschaft befindet. Denn nur diejenigen, die nach Macht streben und um nichts anderes kämpfen als ihrer selbst willen sind diejenigen, die uns anführen - nicht unser aller Wohl im Sinn, sondern den Erhalt und den Ausbau ihrer eigenen Macht in einem Wahlkampf, den sie ständig führen. Nur diejenigen, die bereit sind, um die Macht zu kämpfen, für  ihre Macht zu lügen und zu verschleiern, sind diejenigen, die sie erlangen werden. Jemand, der ehrlich und aufrichtig sich darum bemüht für seine Überzeugung und eine gerechte oder vernünftige Sache einzustehen, wird niemals eine Machtposition erlangen, weder in der Politik, noch in der Wirtschaft.

Warum sonst verschwenden Politiker den größten Teil ihrer Energie und Zeit damit gegeneinander zu kämpfen, den Gegner zu verunglimpfen, sich selbst im Wahlkampf besonders gut darzustellen und zu verkaufen, anstatt konstruktiv daran zu arbeiten unser Leben zu verbessern ? Und warum verschwinden solche im Hintergrund, die sich nicht um ihre Selbstdarstellung bemühen, sondern ehrlich und offen dafür eintreten Probleme beim Namen zu nennen und anzugehen ?

Könnten wir dieses Dilemma auflösen, würde unsere Gesellschaft einen gewaltigen Schritt nach vorne machen. Aber um dies zu erreichen müßte man in den Kern der Macht vorstoßen, würde dadurch seine Seele verlieren und zu denen werden, die es zu bekämpfen gilt, denjenigen, die unseren erwirtschafteten Reichtum dazu mißbrauchen ihn für ihrer selbst willen zu verschwenden, ohne einen brauchbaren Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten.

Samstag, 12. Januar 2008

Kassik Radio Pops in der Alten Oper Frankfurt

Alter Oper, Frankfurt

Am Donnerstag dieser Woche waren meine Frau und ich in der Alten Oper in Frankfurt, um uns das Filmmusik-Konzert des Klassik Radio Pops Orchestra unter Leitung von Nic Raine, moderiert von Holger Wemhoff, dem Chefredaktuer unseres Lieblingssenders Klassikradio, zu gönnen.

Der Grosse Saal der Alten Oper bietet 2.500 Menschen Platz und so wie es aussah waren so gut wie alle Plätze besetzt.

Das Konzert begann mit großartiger Musik von Elmer Bernstein und John Williams. Holger Wemhoff hatte zwischendurch immer ein paar interessante Anekdoten parat über die Entstehungsgeschichte einiger Filme oder aus dem Leben des ein oder anderen Filmmusik-Komponisten. Weiter ging es mit Musik von Maurice Jarre und Debbie Wiseman. Ein erstes Highlight war nach der Musik aus "Harry Potter" von John Williams mit Sicherheit die Suite aus "Pirates Of The Carabian" von Hans Zimmer. Aber auch die "Gremlins"-Suite von Jerry Goldsmith war toll und life viel besser also aus der Konserve.

Klassik Radio Pops Orchestra in Frankfurt

Nach der Pause gab es "Gladiator" von Hans Zimmer, danach ruhigere Stücke, die uns auch sehr gut gefielen: "Cinema Paradiso" von Ennio Morricone, "Out Of Africa" von John Barry, ein Komponist, mit dem Nic Raine viel zusammengearbeitet hat, und "Il Postino" von Luis Bacalov. Die phantastische Musik aus dem "Herr der Ringe" von Howard Shore und endlich zum Schluß das absolute Highlight - "Caravans" von Mike Batt - rundeten das Programm excellent ab. Ein weiterer John Williams war als Zugabe drin: "Der Imperial March" aus "Star War Episode V".

Das Konzert war toll, aber im Vergleich zu unserem ersten Klassikradio-Filmmusik-Konzert for zwei Jahren in der Jahrhundert-Halle in Höchst muß ich zwei kleine Kritik-Punkte anbringen: die Akustik in der Alten Oper war nicht ganz optimal und das Orchester nicht ganz so souverän und begeistert wie die Hamburger Symphoniker vor zwei Jahren, bei denen der Funke echt übersprang und die einfach mit mehr Ausdruck und Begeisterung spielten.

Trotzdem: ein schöner Abend voll mit toller Musik, abwechslungsreich dargeboten von den Klassik Radio Pops und unterhaltsam begleitet von Holger Wemhoff. Durchaus weiter zu empfehlen, auch für Nicht-Klassik bzw. Nicht-Filmmusik Fans bestimmt ein großartiges Erlebnis !

Am Sonntag findet noch ein Konzert in Nürnberg statt, für das es wohl noch einige wenige Karten zu haben gibt, ansonsten sind die weiteren Termine:

29. März 2008 München, Philharmonie am Gasteig
04. April 2008 Hamburg, Laeiszhalle (ausverkauft!)
25. April 2008 Berlin, Philharmonie (ausverkauft!)

Samstag, 29. Dezember 2007

Immer weniger Weihnachtskarten

Jahr für Jahr empfangen wir weniger Weihnachtskarten. Haben die Menschen verlernt wie man mit der Hand am Arm, bzw. mit Stift und Papier schreibt ? Haben wir verlernt ohne Computer und Technik zu kommunizieren ?

Meine Frau ist immer wieder fleißig und schreibt jede Menge Karten und auch ich trage ein paar dazu bei. Jahr für Jahr fällt mir aber auf daß die Anzahl Weihnachtskarten an unserer Tafel, die wir dazu benutzen diese zu sammeln und an die Wand zu hängen, abnimmt.

Das Verlernen des Briefe schreibens mag für jüngere Menschen tatsächlich zutreffen. Auch mir fällt schon auf, daß ich im Urlaub, wenn es darum geht, Postkarten zu schreiben, mich erst wieder daran gewöhnen muß und meine Hand schnell erlahmt. Nach einem kurzen "Training" geht's dann wieder, aber das Schreiben ohne Computer ist bereits ungewohnt.

Der Hauptgrund warum immer weniger schreiben - auch unserer älteren Freunde und Familienmitglieder - ist wohl eher der daß das Schreiben von Weihnachtskarten etwas der Planung und Vorbereitung bedarf: die Karten und Briefmarken müssen rechtzeitig eingekauft werden, dann muß man sie schreiben und zeitig zur Post bringen. Heutzutage haben die Menschen keine Zeit und Muse mehr für solche vorbereitenden Tätigkeiten und etwas Planung - schon gar nicht in den hektischen Tagen vor Weihnachten. Daher bevorzugen sie was ich "on-demand-greeting" nennen würde: am Weihnachtstag, wenn sie dann darüber nachdenken wen sie nun gerne grüßen würden, greifen sie dann zum Telefonhörer und versuchen all die nun anzurufen, die natürlich zu dieser Zeit ihrerseits unterwegs sind um Familienmitglieder oder Freude zu besuchen. Dieses Argument zählt natürlich nicht - ich weiß: wir sind alle mit Handys ausgerüstet und können jederzeit und überall telefonieren.

Es geht nur darum: ich selber würde gerne mehr Karten empfangen, mich über diese freuen und sie dekorativ an die Wand hängen, anstatt meine Weihnachtsfeiertage am Telefon zu verbringen.