Sonntag, 30. November 2008

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 13. Etappe von Obervintl nach Lüsen

Start: Obervintl
Ziel: Lüsen
Entfernung: 14 km
Aufstieg: 1160 m
Abstieg: 920 m
Gehzeit: 6h

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An der Rodener Hütte
"An der Rodener Hütte"

Heute galt es eine 1.800 m hohe bewaldete Höhe zu überwinden: den Rodenecker Wald.”

Ein bewaldeter Hügel, der nach dem Alpenhauptkamm zuerst nicht zu beeindrucken scheint. Wie ich immer zu sagen pflege: am schwierigsten zu bewältigen sind die Wanderungen, die man unterschätzt.

“Teilweise steil ging es bergan, aber glücklicherweise meist im Schatten. Gut 1.000 Höhenmeter waren zu überwinden, um die Rodener Hütte zu erreichen, wo wir eine Stunde lang in der Sonne saßen und uns Schinken und kühle Getränke schmecken ließen.

Unsere Unterkunft:
Das 3-Sterne-Hotel Rosental bot uns wiederum den Komfort eines Hotels mit excellentem Abend- und Frühstücksbuffet. Zum Abendessen gab es eine reichhaltige Auswahl an Salaten, Vorspeisen und Deserts. Teilweise waren wir in einem externen Appertmenthaus untergebracht mit geräumigen Zimmern. Gut sitzen ließ es sich vor dem Hotel oder am Abend auf der Terasse mit Blick auf den malerischen Ort bei einem Spritzer oder anderem Getränk.

Um 13:30 Uhr wanderten wir weiter und stiegen bald ab zum Ort Lüsen, unserem heutigen Etappenziel, wo wir im 3-Sterne-Hotel Rosental untergebracht waren.”

Wir genossen den Nachmittag auf der Terasse, sammelten Kräfte für die weiteren Wanderetappen und schrieben Postkarten an unsere Freunde und Verwandten.

Sonntag, 23. November 2008

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 12. Etappe vom Pfitscherjochhaus nach Obervintl

Start: Pfitscherjochhaus
Ziel: Obervintl
Entfernung: 16 km
Aufstieg: 980 m
Abstieg: 2055 m
Gehzeit: 8h

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Am Morgen riß der Himmel auf und offenbarte ein herrliches Bergpanorama rund um das Pfitscherjochhaus. Innerhalb einer Stunde stiegen wir ab über 500 Höhenmeter, nachdem wir ein gutes Frühstück mit leckerem Tiroler Speck und geschäumter Milch bekommen hatten. Ludwig war zufrieden mit uns…”

Hike to the Gliderscharte
"Auf dem Weg zur Gliderscharte"

– nachdem er gestern noch einen seiner berüchtigten Sprüche losgelassen hatte: “Wenn ihr morgen so langsam bergab lauft wie heute, dann kommen wir nie an.”  -

“…und wir begannen den dreistündigen Aufstieg über 900 Höhenmeter vorbei an der verfallenen Unterbergalm durch ein romantisches Tal und dann entlang des Unterbergbaches steiler werdend und später über Geröll hinauf zur Gliderscharte ( 2638 m ). Dort blies ein frischer Wind und wir genossen kurz den Blick zurück zur Friesenbergscharte, die wir vorgestern überwunden hatten, und zum Hochfeiler mit Hochfeilerhütte und Gletscher.

Rasch stiegen wir dann ab zum Grindlbergsee zu einer viertelstündigen Mittagsrast, dann weiter zur urigen Engbergalm, wo wir uns Brot und Butter und Milch schmecken ließen.”

Im Pfunderer Tal
"Im Pfunderer Tal"

Diese Rast bei hartem Fladenbrot und Milch hat offensichtlich schon Tradition für Venedigwanderer; sie wird sogar in Ludwig Grassler’s Buch “Zu Fuß über die Alpen – der Traumpfad von München nach Venedig” erwähnt !

600 m Abstieg hatten wir da schon hinter uns, 900 m standen uns noch bevor über eine Forststrasse hinab nach Dune, vorbei an der Duner Klamm, dann weiter bei mittlerweile heißer Witterung nach Pfunders, wo wir eine halbe Stunde vor Abfahrt des Busses um 15:55 Uhr eintrafen.

Unsere Unterkunft:
Das Hotel Alpenhof liegt direkt an der Strasse nach Bruneck und ins Ahrntal. Es verfügt über ein Schwimmbad, einen grossen Garten und bequeme Zimmer mit Balkon. Die Betten waren super-bequem und das Hotel gewinnt somit den Preis "Bestes Bett zwischen München und Venedig". Viellei8cht lag's ja auch an der langen Tour und dem monströsen Abstieg über 2000 Höhenmeter, der hinter uns lag. Trotzdem wird der o.g. Preis anerkannt ;-)

Der Bus brachte uns nach Obervintl, wo wir uns mit Proviant versorgen konnten. Eine halbe Stunde mußten wir noch laufen zum Hotel Alpenhof, das direkt an der Strasse ins Ahrntal liegt. Endlich mal wieder ein Bett …” … und das war richtig bequem nach dieser Etappe mit dem längsten Abstieg ( insgesamt mehr als 2000 Höhenmeter ) auf dem Weg nach Venedig.

Sonntag, 16. November 2008

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 11. Etappe vom Friesenberghaus zum Pfitscherjochhaus

Start: Friesenberghaus
Ziel: Pfitscherjochhaus
Entfernung: 13 km
Aufstieg: 755 m
Abstieg: 955m
Gehzeit: 6h

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Schlegeis Speichersee
"Schlegeis Speichersee"

Die 5-Tages-Wetterprognosen während unserer Tour sind sehr zuverlässig: während wir in den letzten drei Tagen schönes Wetter hatten gab es heute eine Schlechtwetterstörung, wie angekündigt. Glücklicherweise hatten wir nur eine relativ kurze und einfache Strecke zu bewältigen und verzichteten auf die 2 Stunden längere Alternative: den Berliner Höhenweg …” … und Olperer Hütte.

Der Abstieg zum Schlegeis-Speichersee war recht einfach und als wir dort bei einem Kiosk rasteten und heiße Wurst futterten, klarte es auf und der Nieselregen hörte auf. Weiter ging es dann am Zamser Bach entlang zur Lavitzalm, wo wir frische Mich und Apfelstrudel bekamen. Zur italienischen Grenze und dem Pfitscherjochhaus war es nun nicht mehr weit und wir trafen bereits um 14:00 Uhr dort ein.

Reached Italy
"Willkommen in Italien" Meine Frau und ich an der italienischen Grenze.

‘Legt die Füße hoch’, riet uns unser Wanderführer. ‘Morgen gibt’s eine lange Tour !’

Unsere Unterkunft:
Das Pfitscherjochhaus wurde wohl neu renoviert, denn es sieht nicht mehr so aus wie auf dem Bild in diesem Wikipedia Artikel. Es ist ein grosses Haus, in dem wir in Mehrbettzimmern untergebracht waren. In den Bädern konnten wir kostenlos duschen, in der geräumigen Gaststube gab es erstmalig italienische Kost, das bedeutet vor allem: Pasta als Vorspeise. Vom Pfitscherjochhaus hat man einen direkten Blick hiunter zur italienischen Grenze.

In seinem Buch “Zu Fuß über die Alpen …” schreibt Ludwig Grassler über die italiensiche Grenze: “Nach dem ersten Weltkrieg war festgelegt worden, die neue Grenze so zu ziehen, wie die Kugel rollt und das Wasser fließt. Tirol, das Land in den Bergen, hatten die Politiker damit auseinandergerissen. Die Landshuter Hütte, 6 1/2 Kilometer östl. des Pfitscherjoches gelegen, wurde mit dieser Regelung in einen österreichischen und einen italienischen Bereich aufgeteilt.

Samstag, 15. November 2008

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 10. Etappe vom Tuxerjochhaus zum Friesenberghaus

Start: Tuxerjochhaus
Ziel: Friesenberghaus
Entfernung: 12 km
Aufstieg: 900 m
Abstieg: 1000 m
Gehzeit: 6h

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View down from the Friesenberg-Scharte
"Blick von der Friesenberg-Scharte auf den Friesenbergsee und -hütte."

Momentan sitze ich bei herrlichem Sommerwetter vor dem Friesenberghaus auf 2.500 m und genieße die Nachmittagssonne”, schrieb meine Frau an diesem Tag in unser Tourenbuch. “Ein Tel der Gruppe ist auf das nahe gelegene Petersköpfle gestiegen um die dortigen Steinmänner zu bestaunen.

Da war auch ich dabei, denn diesen mystischen Ort oberhalb des Friesenberghauses, den man in etwa 45 Minuten erreichen kann, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Wir konnten hinüberschauen zur Italienischen Grenze, die wir am nächsten Tag erreichen wollten. Und wir sahen schlechtes Wetter herannahen, das bereits vorhergesagt worden war und sich heute bei der Wanderung hierhier schon durch starke Winde angekündigt hatte.

Der schon mehrfach erwähnte sehr interessante Filmbeitrag des bayrischen Rundfunks über den Traumpfad nach Venedig enthüllt die traurige Bedeutung dieses Platzes: Mitglider des deutschen und österreichischen Alpenvereins haben hier diese Steinmänner errichtet zum Gedenken an ihre jüdischen Kameraden, die während der Nazi-Zeit umgekommen sind.

Petersköpfle
Auf dem "Petersköpfle"

Der heutige Weg führte uns über eine Mittelmoräne zum Spannagelhaus und von dort über den 2.900 m hohen Friesenbergsattel, der teilweise noch mit etwas Schnee bedeckt war. Auf der Südseite hieß es dann Stöcke einpacken und einen versicherten Steig hinab gen Tal gehen, vorbei an einem Bergsee, zum Friesenberghaus, unserem heutigen Etappenziel.

Die Friesenberg-Scharte gilt als der höchste Punkt auf dem Weg nach Venedig. Wenn man nicht noch höher hinaus will, wie wir es in den Dolomiten vorhatten.

Unsere Unterkunft:
Das Friesenberghaus liegt inmitten einer herrlichen Berglandschaft. Von der Terasse blickt man hinüber in die Zillertaler Alpen und auf den Schlegeis-Speichersee. Der urige Wirt ist eifrig dabei den Laden zu schmeißen und für eine zuverlässige Wetterprognose immer gut: so wie er das Wetter voraussagt wird es garantiert nicht. Im Friesenberghaus hatten meine Frau und ich den Luxus eines Zweitbett-Zimmers. In der Gaststube war es eng und gemütlich; auch diese Hütte war wieder gut besucht.

Die erwähnte Mittelmoräne kann man in Google Maps sehr gut sehen, wie auch das Tuxerjochhaus, von dem aus wir morgens um 07:30 Uhr zur gewohnten Zeit aufgebrochen waren, und das Friesenberghaus. Der genannte Bergsee ist der Friesenbergsee, man sieht ihn oben in der Karte ganz unten rechts. Im oberen linken Viertel erkennt man einen weiteren See, an dem wir vorbeikamen entlang der Forststrasse hinauf zum Spannagelhaus, bevor wir nach rechts zur Moräne abzweigten.

Das Friesenberghaus ist die höchstgelegene AV-Hütte des Zillertals und wird ausschließlich über den Luftweg mit Helikopter versorgt, weswegen die Preise etwas höher sind ( 3 min duschen für 3 € ).

Mittwoch, 12. November 2008

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 9. Etappe von der Lizumer Hütte zum Tuxerjochhaus

Start: Lizumer Hütte
Ziel: Tuxerjochhaus
Entfernung: 10,5 km
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 900 m
Gehzeit: 6h

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Lake below Pluderling-Sattel
"Junssee unterhalb des Pluderling-Sattel

Meine Frau schrieb in unser Tourenbuch: “Pünktlich um 07:30 Uhr ging die Tour los, nach einem recht kurzen Frühstück. 3 Stunden stiegen wir an, teilweise durch recht tiefen Schnee zum Pluderlingsattel (2.743 m), den wir gegen 10:30 Uhr erreichten. Die Sonne schien von einem fast wolkenlosen Himmel, aber auf über 2.000 m wehte ein recht frischer Wind. Vom Sattel aus gab es noch einen kurzen Anstieg von 100 Höhenmetern auf den Gipfel des Geier, den meine Frau und ich allerdings ausließen.

Dies sollte die einzige Wanderung sein, die ich auf dem Weg nach Venedig auslassen würde. Ich war von dem Bergpanorama hier oben auf dem Sattel und dem tollen Wetter bereits so begeistert, daß ich und auch Alex lieber 20 Minuten darauf verwendete dieses Panorama zu genießen, anstatt noch einen Abstecher auf den Extra-Gipfel zu machen.

Behind Gschützspitzsattel
"Abstieg vom Gschützspitzsattel"

Der steile Abstieg mit Schnee, Matsch und Geröll führte uns vorbei an einem Bergsee, dem Junssee.

Der Abstieg war nicht ganz ungefährlich, denn es war rutschig und anfangs fiel der Hang zur Linken steil ab zum Junssee. Ein Fehltritt hier war absolut nicht angebraqcht. Als die übliche Unterhaltung in der Gruppe einsetzte gebot Ludwig zu Recht Ruhe und mahnte uns, uns auf unsere Schritte zu konzentrieren.

Wanderstöcke waren besonders auf dieser Etappe sehr hilfreich und sind im allgemeinen, speziell bei einer 4-wöchigen Wanderung, ein sehr empfehlenswerter Ausrüstungsgegenstand. Ich benutzte sie vorwiegend bei langen und steilen Abstiegen, um meine Knie etwas zu entlasten. Grundsätzlich sollen sie aber mehr der Balance dienen, als sich damit einen Berg hoch zu stemmen oder runterwärts abzufangen, wie uns Ludwig schon frühzeitig erklärt hatte. Soviel Kraft, wie man in den Beinen hat, kann man mit Armen und Schultern nicht aufbringen. Um aber besser das Gleichgewicht zu halten bzw. zu korrigieren wenn man einmal etwas strauchelt, sind sie ideal. Jeden kleinen Fehltritt, den man ohne Stöcke ausgleichen muß, kostet wieder ein Quentchen Kraft auf so einem langen Weg wie der nach Venedig.

Waterfall seen on our way to Tuxerjoch-Haus
"Wasserfall im Weidental"

Wofür man Stöcke aber garantiert nicht verwenden sollte ist, sie jemandem zur Hilfe zu reichen, der z.B. einen Abhang herunter gerutscht ist, um ihn wieder hoch zu ziehen. Auf Zug-Belastung sind diese Stöcke absolut nicht ausgelegt und gehen auseinander ! Ich habe das einmal bei einer Wanderung auf Reunion beobachtet und es wäre dabei fast zu einem schlimmen Sturz gekommen, weil sich ein Wanderer von einem anderen mit einem Wanderstock hochziehen lassen wollte und der Stock dabei auseinander fiel, da die Teleskopstöcke ja aus mehreren ineinander gesteckten Rohren bestehen.

Unsere Unterkunft:
Das Tuxerjochhaus wird von Ludwig Grassler in seinem Buch als ein bevorzugter Standort genannt, um einen Abend in einem herrlichen Bergpanorama zu verbringen. Die Aussicht war tatsächlich großartig und läßt sich auch bei kühler Witterung auf der gläsernen Veranda genießen. Plätze sind allerdings limitiert und der Wirt bekannt dafür, Wanderer einfach weiterzuschicken, wie man auch im 2. Teil des Fernsehbeitrags “Zu Fuss von München nach Venedig – ...” vom Bayrischen Rundfunk sehen kann.
Unsere ganze Gruppe war unter dem Dach in einem grossen Schlafsaal untergebracht mit Stockbetten und Matratzen. In der kleinen Gaststube bekamen wir ein gutes Abendessen und konnten dabei den Kühen zuschauen, wie sie artig zum Stall trabten.

Nach diesem Abstieg bot sich dann bereits der nächste Sattel an, den es zu überwinden galt: den Gschützspitzsattel (2.657 m).

Als wir diesen überwunden hatten lag vor uns ein grünes, tiefes Tal, von Schnee, durch den wir noch beim Anstieg gestapft waren, keine Spur mehr hier südlich des Sattels. Ein bequemer Pfad schlängelte sich in die Tiefe.

…. es ging 600 m abwärts ins Weidental, wo wir an einem schönen Wasserfall rasteten, unter den wachsamen Augen zahlreicher Murmeltiere. Als dann auch noch die letzten 300 Höhenmeter – wieder bergan – überwunden waren ließen wir uns müde, aber zufrieden in unserem Lager nieder und bevor es in Waschraum oder Dusche ging vertilgten wir ein riesiges Stück Sachertorte !