Samstag, 28. Februar 2009

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 26. Etappe von Belluno nach Tarzo

Start: Belluno
Ziel: Tarzo
Entfernung: 17 km
Aufstieg: 360 m
Abstieg: 1500 m
Gehzeit: 6 h

Google Earth Ansicht
Hinweis: der Eintrag über den 27. Tag befindet sich hinter diesem hier.

Größere Kartenansicht

“Gegenüber der felsigen Schiara erhebt sich wie ein großer Aussichtsbalkon der breite Rücken des Nevegals. Er gipfelt im 1.761 Meter hohen Col Visentin …” So beginnt das Kapitel über den 24. Wandertag in Ludwig Grasslers Buch “Zu Fuß über die Alpen. Der Traumpfad von München nach Venedig”. Es folgen noch vier weitere Kapitel. Für uns war es der letzte Wandertag. Nach Überwindung der Alpen war die Wanderung für uns zu Ende, die Durchquerung des italienischen Flachlandes war im Programm nicht mehr vorgesehen.

Aufstieg zum Col Visentin
"Aufstieg zum Col Visentin"

Diese letzte Wanderung war sicher nicht die reizvollste mit dem verbauten Gipfel des Col Visentin und der ewig langen Forst- und Teerstrasse, die uns ins Tal führte. Der Reiz der Wanderung liegt im Ausblick: zurück zu den Alpen im Norden und in die Bucht von Venedig im Süden. Wenn man Glück hat und das Wetter mitspielt.

Unsere letzte Wandeung auf dem Weg von München nach Venedig begann mit einer Busfahrt zum Höhenrücken Nevegal. Ein relativ kurzer Anstieg über 360 Höhenmeter führte uns zur 5. Alpini-Hütte auf einen Gipfel, der mit Sendemasten total verbaut ist, den Col Visentin (1.763 m).

Von hier hat man bei guter Sicht einen Blick zurück in die Alpen und nach Süden zum Meer. Für Norditalien war Regenwetter angesagt, so daß uns Wolken die Sicht nach Süden verwehrten. Die Schiara konnten wir schememhaft erkennen und die Häuser von Belluno leuchteten davor in der Sonne, die uns der Wettervorhersage zum Trotz auf der ganzen Wanderung begleitete.

Neben Schaf-Lämmern begegneten wir auf dem Col Visentin auch großen Totenkopf-Faltern.

My shoes and a drink
"My shoes and a drink" Meine Wanderschuhe hatten eine Pause verdient, und ich auch mit einigen Drinks, um den erfolgreichen Abschluß einer vierwöchigen Wandertour zu feiern.

Nach einer Rast auf der Hütte begann ein fast vier Stunden langer Absteig zunächst über einen Schotterweg und dann über eine Teer-Straße 1.500 Höhenmeter bergab ins norditalienische Hügelland. Die Füße brannten, als wir Lago di Revine erreichten.

“Hier endet meine Aufgabe als Bergführer !” gab Ludwig bekannt. Wir hatten es geschafft und erfolgreich die Alpen überquert – zu Fuß !

Unsere Unterkunft:
Das Weingut in Tarzo - die Albergo Al Pini - bot uns eine angemessene Unterkunft zum Abschluß einer großartigen Tour. In dem familiären Betrieb wurden wir gut versorgt mit Getränken, Essen und Wein sowie geräumigen Zimmern und fanden die richtige Atmosphäre vor, das Ende unserer Alpenüberquerung gebührend zu feiern.

Mit Autos wurden wir abgeholt und zu einem Weingut nach Tarzo gebracht. Dort saßen wir lange vor dem schönen Haus und feierten unsere Tour mit Drinks, bevor es ein vorzügliches Abendessen gab, ein paar Abschluß-Reden und Urkunden. Bis Mitternacht saßen einige von uns noch zusammen, redeten über die vergangene Tour und genossen den guten Rotwein.”

Samstag, 21. Februar 2009

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 27. Tag Fahrt nach Venedig


Größere Kartenansicht

Mit einem Sammeltaxi fuhren wir nach dem Frühstück entspannt zum Bahnhof von Conegliano, wo von aus uns ein Regionalzug nach Venedig zur Statione St. Luicia bringen sollte. Zuvor besichtigten wir aber noch den dortigen riesigen Markt und mit all seinen Ständen und Warenangeboten sowie das auf einem Hügel gelegene Castell, wähend Ludwig auf das Gepäck aufpasste.

Gruppenphoto auf dem Markusplatz: Ziel erreicht !
"Gruppenphoto auf dem Markusplatz: Ziel erreicht !" … nach 27 Tagen, als wir vom Marienplatz in München starteten.

Mit etwas Verspätung fuhren wir dann gegen 11:20 Uhr Richtung Venedig. Dort angekommen gaben wir erst mal unser großes Gepäck zur Aufbewahrung und trabten dann mit unseren Rucksäcken zur Anlegestelle des Vaporetto, ein öffentliches Wassertaxi, das uns auf dem Canal Grande nach S. Marco und damit zum Ende der Tour, dem Markusplatz, brachte. Hier wurden zahlreiche Gruppenfotos gemacht bevor wir Ludwig ein letztes mal folgend unser nettes Hotel erreichten.

Nach einer Dusche machten wir uns dann sogleich auf, diese wunderschöne und interessante Stadt zu erkunden, die leider von Menschenmassen schier überrannt wird.

Ohne große Probleme navigierten wir durch die Gassen, entlang der Kanäle oder über Brücken.

View from Rialto Bridge
"View from Rialto Bridge": der Canal Grande

Wir fanden nette Plätze und Sträßchen ohne viele Menschen und ein tolles Cafe wo wir für 0.90 € Espresso tranken – übrigens unweit der bekannten Rialtobrücke. In einer kleinen Bar trafen wir dann noch ein paar Mitwanderer (Gisela, Tina, Sandra) mit denen wir mehrfach auf die gelungene Tour tranken (hauptsächlich die günstigen und großen Spritz, die es hier gab), bevor wir uns gegen 19:00 Uhr zu einem wenig spektakulären Abendessen trafen.”

Unsere Unterkunft:
Das Hotel Gorizia "A la Valigia" lag nicht weit entfernt vom Markusplatz und bot uns einen hervorragenden Standpunkt für die Erkundung Venedigs in gediegener Atmosphäre mit ordentlichen Zimmern.

Unser Tourenbuch schweigt über den genauen Verlauf des Abendessens, das zu einem armseligen Abschluß unserer Wanderreise werden sollte. Glücklicherweise hatten wir die “offizielle” Verabschiedung ja schon in Tarzo gemacht.

Verdienter Drink in Venedig
"Verdienter Drink in Venedig" … der unbeschreiblich gut schnmeckte und nach … Triumph !

Das Abendessen gab es in einem Lokal unweit des Hotels und der Service war miserable. Das Essen der halben Gruppe wurde schlicht vergessen und Unmut machte sich breit. Als Ludwig dann nachfragte war das Ergebnis, daß er etwas zu essen bekam, die anderen Gerichte aber immer noch nicht serviert wurden. Die Unfähigkeit des Kellners kombiniert mit ein paar Sprachproblemen und einer ungeduldigen Gruppe führte schließlich dazu, daß die ersten übereilt aufbrachen und wir schlecht gelaunt auseinandergingen ohne uns richtig voneinander zu verabschieden.

In einer Gruppe wie dieser kann es leicht passieren daß bei auftretenden Schwierigkeiten kopflos und aggressiv reagiert wird. Erschwerend kam hinzu daß Ludiwg die Gruppe nie wirklich akzeptiert, nie richtig mit ihr warm geworden war, es vielleicht auch nicht wollte. Seine Pflichten als Bergführer hatte er darüber nie vernachlässigt, aber die Atmosphäre zwischen ihm und der Gruppe war immer etwas angespannt gewesen. Wer weiß, vielleicht muß das sogar sein, wenn man eine solche Gruppe erfolgreich über die Alpen führen will ?

Wie dem auch sei: Alex und ich waren froh noch einen weiteren Tag in Venedig dazugebucht zu haben. Wir freuten uns auf diesen Tag in einer Stadt, die es wert war, 26 Tage lang zu ihr zu wandern, wenngleich natürlich letztendlich der Weg an sich das Ziel war, die Erfahrung, die Alpen auf eigenen Füßen zu überwinden und vier Wochen lang ohne Auto, ohne Computer, ohne Fernseher zu einem fernen Ziel unterwegs zu sein.

Freitag, 13. Februar 2009

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 25. Etappe vom Refugio 7-Alpini nach Belluno

Start: Refugio 7-Alpini
Ziel: Belluno
Entfernung: 13 km
Aufstieg: 140 m
Abstieg: 820 m
Gehzeit: 3 h

Google Earth Ansicht

Größere Kartenansicht
Auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 1 kurz vor Belluno
"Auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 1 kurz vor Belluno"

Die Schiara war überwunden, 3 1/2 Wanderwochen lagen hinter uns, was sollte uns jetzt noch aufhalten ?

Die heutige vorletzte Etappe  war nur kurz und gemütlich.

Nach dem üblichen Hüttenfrühstück starteten wir um 08:15 Uhr Richtung Belluno durch ein herrlcihes Tal, das durch einen Bach fast in eine Klamm verwandelt worden war. Wir sahen einen Feuersalamander und zahlreiche wilde Alpenveilchen und das alles wieder bei schönem Wetter.

Am Ende des Tals gab es dann die übliche Cappuchino-Pause bevor uns Signore Rossi abholte und ins Hotel Mirella in Belluno brachte.”

Belluno
"Belluno"

Dieter traf auch seine Gudrun wieder, die wir am Passo Duran zurückgelassen hatten. Dieter selbst hatte sich gut geschlagen auf den letzten Etappen, insbesondere auf dem Klettersteig war er ein angenehmer und ruhiger Begleiter gewesen, der Resi, die direkt vor mir geklettert war, immer mit guten Tips zur Seite stand.

Unsere Unterkunft:
Das Hotel Mirella in Belluno war nicht schlecht, aber leider gab es dort kein Abendessen und wir mußten zu einem nahe gelegenen Italiener ausweichen, wo das Essen zwar okay, der Service aber ziemlich miserabel war. Beim Einchecken mußten wir eine Weile warten, bis die Zimmer verfügbar wurden, da wir recht früh dran waren. Zu Fuß in die Stadt mußte man etwa 20 Minuten laufen, für ausgeruhte Venedig-Wanderer eigentlich kein Problem ;-) Am nächsten Morgen gab es dann ein vernünftiges Frühstück.

Am Nachmittag erkundeten wir die kleine Stadt Belluno, die für unseren Geschmack nicht viel zu bieten hatte außer Straßencafés natürlich, in denen wir uns Bruschetta und Kuchen schmecken ließen ganz nach italienischer Art.

Am Abend hieß es noch einmal Rucksack packen – für die letzte Tagesetappe. Kaum zu glauben, daß diese Wanderung, die uns anfangs unendlich lang vorkam, nun zu Ende gehen würde.

Sonntag, 1. Februar 2009

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 24. Etappe von der Pian de Fontana zum Refugio 7-Alpini

Start: Pian de Fontana
Ziel: Refugio 7-Alpini
Entfernung: 8 km
Aufstieg: 1060 m
Abstieg: 930 m
Gehzeit: 8 h

Google Earth Ansicht

Größere Kartenansicht

“Heute hieß es früh aufstehen: Abmarsch war um 06:30 Uhr. Zuerst ging’s einen schmierigen Pfad bergab, während die Sonne aufging. Wir schreckten zahlreiche Gemsen auf, während wir nochmal etwas abstiegen bis zum Entscheidungspunkt: Klettersteig oder Bianchet-Hütte ?

Blauhelm-Einsatz in der Schiara
"Blauhelm-Einsatz in der Schiara"

Ludwig hielt zielstrebig auf die Marmolscharte (2.262 m) zu und wir mußten nochmal 800 Höhenmeter aufsteigen, bis wir den Klettersteig erreichten.

Nebel lag über der Schiara, als wir um 10:30 Uhr die Klettertour begannen.”

Nachdem wir unser Klettergeschirr angelegt hatten ging es zunächst noch etwas bergauf am Seil entlang. Das erste Stück war nicht sonderlich schwierig und bald erreichten wir eine Biwak-Schachtel. Dann wurde es schwieriger: senkrecht ging es abwärts über Leitern und mit Hilfe von Stahlstiften, die in die Wand gehauen waren. Der Klettersteig ist als leicht eingestuft; dadurch, daß wir ihn bergab nahmen war er natürlich etwas schwieriger zu bewältigen. “Leicht” in den Dolomiten kann aber schon eine Herausforderung sein für diejenigen, die Klettersteige nicht gewöhnt sind.

See what's blowing in the rocks
"See what's blowing in the rocks"

Es gab überall eine Seilsicherung und wir wählten je nach Anweisung von Ludwig eine einfache oder dopplete Sicherung. “Einfache Sicherung” bedeutete einen Sicherungshaken am Gürtel zu verstauen und nur mit einem Sicherungshaken am Seil zu gehen. “Doppelte Sicherung” sah die Verwendung beider Haken vor, allerdings nicht die Extremform, wie Alex und ich das mal bei einem Klettersteig-Kurs der Alpinschule Südtirol gelernt hatten, nach der außer beim Umhängen immer beide Haken am Seil eingehängt sein mußten. “Damit wir noch heute die Hütte erreichen konnten” wählten wir eine etwas schnellere Technik: also immer nur ein Haken eingehängt, den anderen in der freien Hand. Dieser Haken wir dann in einen neuen Seilabschnitt eingeklingt, der andere abgenommen und bleibt in der Hand bis zum nächsten Seilstück. Mit “Haken” ist übrigens ein Karabinerhaken gemeint mit Verschluß, bei dem zunächst ein Ring nach unten gezogen werden muß, damit er sich öffnen läßt.

In der Wand
"In der Wand"

Als wir nach 2 1/2 Stunden Pause machten ließ uns Ludwig wissen, daß wir erst die Hälfte geschafft hatten. Die Klettersteig-Tour war laut Programm mit 3-4 Stunden angesetzt, wir würden offenichlich etwas länger brauchen.

Es ging nun waagerecht an steilen Felswänden entlang, teilweise stark ausgesetzt, manchmal sogar leicht überhängend, überall aber gut gesichert, wenn nötig auch mit zusätzlichen Haltegriffen an der Wand. Bald sahen wir die Hütte unterhalb liegen und fühlten uns schon fast am Ziel, aber wir hatten immer noch schwierige Kletterpassagen vor uns, unter anderem auch die “Schlüsselstelle” gegen Ende der Klettertour. Wer diese nicht bewältigte mußte umkehren – aber wer wollte das schon.

Conquering the Schiara
"Conquering the Schiara"

Da ich als Vorletzter kletterte, gefolgt von unserem jungen Optiker, der sich der Gruppe angeschlossen hatte, konnte ich vorne immer alle möglichen Rufe und Kommentare hören, und da es oft zu langen Verzögerungen kam, hatte ich auch ausreichend Zeit dafür.

“Das ist jetzt die Schlüsselstelle”, hieß es alsbald, als wir in einer Rinne zwischen zwei Felsen aufwärts klettern mußten. War es aber nicht. Dann jedoch: “Hilfe, ich komm nicht weiter!” … “Meine Beine sind zu kurz!” … “Andere mit kürzeren Beinen haben es auch geschafft.” … “Arsch an die eine Wand, Füße an die andere, dann geht’s schon.”

Unsere Unterkunft:
Im Refugio 7-Alpini waren meine Frau und ich in einem 4-Bett Zimmer zusammen mit Ludwig und Dieter untergebracht. Es gab mal wieder Steh-Klos, einfache Waschgelegenheiten und wohl auch eine Dusche. Nach dem überstandenen Abenteuer schmeckten Getränke und Essen natürlich doppelt gut. Die Hütte liegt direkt for dem Massiv der Schiara und stolz blickt man zurück auf die steilen Wände und glaubt es kaum, daß man diese durchqueren konnte. Unterhalb der Hütte breitet sich das schmale Tal aus, durch das man hinabsteigt nach Italien.

Wir hatten die Schlüsselstelle erreicht, eine Spalte zwischen zwei senkrechten Felsen, die man tatsächlich nur bewältigen konnte, indem man sich mit Hintern und Rücken an die eine Wand und mit den Füßen an die gegenüberliegende stemmte und so hinunter arbeitetet, bis die Füße und Hände wieder Vorsprünge fanden zum “normalen” Klettern.

Noch ein paar steile Wände abwärts, dann sahen wir Ludwig unten stehen und das Klettergeschirr abgelegen.

“Wir benötigten 5 Stunden für die Kraxelei entlang des Seils, über steile Felsen, Leitern und Kamine. Aber wir alle schafften es und der abschließende Abstieg zum Refugio 7-Alpini war schnell geschafft. Wir genossen das erste Weizenbier und man spürte deutlich die Erleichterung in der Gruppe nach dem überstandenen Abenteuer.”

Sonntag, 25. Januar 2009

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 23. Etappe vom Refugio San Sebastiano zur Pian de Fontana

Start: Refugio San Sebastiano
Ziel: Pian de Fontana
Entfernung: 17 km
Aufstieg: 1180 m
Abstieg: 1115 m
Gehzeit: 7 h

Google Earth Ansicht

Größere Kartenansicht

“Das Refugio San Sebastian lang nicht so abgeschieden in den Bergen wie die sonstigen Hütten dieser Woche, sondern an einer Straße und war daher eher wie ein Gasthaus ausgestattet. Der Gastraum war sehr gemütlich mit offener Feuerstelle und auch das Frühstück war nicht hüttenmäßig, sondern wesentlich ergiebiger.

Aufstieg zur Forcella Sude del Citta
"Aufstieg zur Forcella Sude del Citta"

Allerdings war die Aufbruchszeit wie bei einer Hütte, also um 07:30 Uhr. Bei viel Nebel starteten wir die heutige lange Etappe zum Refugio Pian de Fontana auf 1.632 m. Wir überquerten den Passo Duran bei Nebel, ohne also viel von den umliegenden Bergen zu sehen.”

Über Schotterhänge, durch Wald, Latschengestrüpp und Felslabyrinthe ging es bald aufwärts in die Berge bis zur von Unkraut überwachsenen Moscesinalm, wo wir eine erste Rast machten für ein zweites Frühstück aus dem Rucksack. Um die Mittagszeit weiter oben gönnten wir uns eine weitere längere Rast und genau zu diesem Zeitpunkt zogen die Wolken zur Seite und erlaubten uns das umliegende Bergpanorama im Sonnenschein zu bestaunen.

Vorbereitung auf den Klettersteig durch die Schiara
"Vorbereitung auf den Klettersteig durch die Schiara" in unserem “Schalfhaus”, einem ehemaligen Ziegenstall.

“An der Forcella Sud del Citta erreichten wir den höchsten Punkt. Unterwegs sahen wir ein Rudel Gemsen, die sich an unserem Abstiegsweg an dem dort wachsenden Gras gütlich taten.

Leider fing es auf dem steilen Abstieg hinab zur Hütte an zu regnen und der ohnehin schwierige Weg fühlte sich bald an wie Schmierseife. Entschädigt wurden wir alsbald mit einer sehr gemütlichen Hütte, ebenfalls mit offener Feuerstelle und einer sehr netten Hüttenwirtin. Die Schlafplätze befanden sich allerdings in einem unbeheizten Nebengebäude – fast wie in Nepal.

Unsere Unterkunft:
Die Pian de Fontana war ein uriges Anwesen bestehend aus mehreren Gebäuden. Das "Schlafgebäude", in dem wir unsere Stockwerk-Betten vorfanden, war ein ehemaliger Ziegenstall, also etwas zugig. Toiletten und Waschgelegenheiten waren im selben Gebäude vorhanden. In der urigen Gaststube bei deftigem Essen und brennendem Kaminfeuer ließ es sich sehr gut aushalten.

Den schlimmsten Regen und das Gewitter konnten wir so geschützt in der Hütte verbringend vorüber ziehen lassen.” In gemütlicher Runde saßen wir am Abend vor der Feuerstelle an einem großen Tisch bei Bier oder Kaffe und Kuchen und warteten auf das Abendessen.

Um 18:30 Uhr gab’s noch eine Einführung von Ludwig in den richtigen Gebrauch des Klettersteig-Geschirrs, das wir seit Allegehe mit uns herumschleppten und das nun morgen beim alpinen Höhepunkt der Tour zum Einsatz kommen sollte.

Samstag, 17. Januar 2009

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 22. Etappe von der Tissi-Hütte zum Refugio San Sebastiano

Start: Tissi-Hütte
Ziel: Refugio San Sebastiano
Entfernung: 17 km
Aufstieg: 760 m
Abstieg: 1380 m
Gehzeit: 7 h

Google Earth Ansicht

Größere Kartenansicht
Into the fog - Von der Tissi- zur Vazzoler Hütte
"Into the fog - Von der Tissi- zur Vazzoler Hütte"

“Für heute war eine Nebel-Wanderung angesagt. Von der Tissi-Hütte ging’s an der Civetta Nordwand entlang abwärts bis zur Vazzoler Hütte, wo wir ein zweites Frühstück einnahmen. Ein Pfad führte uns dann über zwei Übergänge, das Col dell’Osso (1.800 m) und die Forcella del Camp (1.933 m), bevor wir um 14:00 Uhr das Refugio Carestatio zu einer späten Vesper erreichten.

Nur selten erhaschten wir mal einen Blick auf die Berge. Mittlerweile hatten wir das Moiazza-Massiv vor uns liegen. Zum Passo Duran und unserer heutigen Unterkunft waren es dann noch 45 Minuten und um 15:45 Uhr konnten wir unser 8-Bett-Zimmer mit Bad beziehen.”

Unsere Unterkunft:
Im Refugio San Sebastiano waren wir gut untergebracht auf dem Duran-Pass. Meine Frau und ich teilten sich ein 8-Bett mit 6 anderen. Wir hatten ein eigenes Bad mit Dusche, gleich daneben in einem kleinen Zimmer hauste unser Bergführer. Im Bad bestand Überschwemmungsgefahr, was sich aber mit ein paar Handtüchern eindämmen ließ. Der Wirt war sehr nett und um unser Wohlergehen besorgt, es gab ein gutes Abendessen in der Gaststube und auch ein feines Frühstück am Morgen, das sich für italiensiche Verhältnisse sehen lassen konnte. Erwähnenswert der Schnaps mit eingelegten Blaubeern, nach dem man süchtig werden könnte.
Abstieg zum Passo Duran
"Abstieg zum Passo Duran"

Es war eine langere Wanderung gewesen heute und etwas zu viel für Gudrun. Sie würde am Passo Duran zurückbleiben und die nächsten drei Etappen, von denen die kommende ebenfalls anstrenged und insbesondere die zweite recht schwierig werden würde, würden ihr erspart bleiben, worüber sie nicht wirklich unglücklich war. Herr Rossi vom Hotel in Allegehe, der den Gepäck-Transport durchführte, würde sie mit dem Auto hier abholen und sie mit unserem Gepäck nach Belluno befördern.

Sonntag, 11. Januar 2009

Von München nach Venedig in 28 Tagen: 21. Etappe von Alleghe zur Tissi-Hütte

Start: Alleghe
Ziel: Tissi-Hütte
Entfernung: 5 km
Aufstieg: 830 m
Abstieg: 470 m
Gehzeit: 4h

Google Earth Ansicht

Größere Kartenansicht
Looking down to Alleghe
"Looking down to Alleghe" Blick hinab vom Cima di Col Rean. Die Tissi-Hütte lag nur wenige Geh-Minuten hinter uns.

Daß man nach Venedig auch zu Fuß noch schneller gelangen kann als über die Route, die wir für unsere Wanderung wählten, habe ich bereits in meinem Bericht über die 18. Etappe erwähnt. Auch die folgenden Etappen ließen sich wesentlich beschleunigen, wenn man es denn eilig hätte, so wie Ludwig Grassler es auch in seinem Buch beschreibt: “Am 19. Wandertag …” ( für uns der 21., denn wir machten ja noch einen Umweg hinter der Marmolada entlang ) “… mit dem Verlassen des Alleghesees erreichen wir die südlichen Dolomiten. Würden wir nicht wandern, sondern marschieren oder laufen, so könnten wir die 48 Strassenkilometer bis Belluno an einem Tag zurücklegen. Damit verzichteten wir aber auf all das Schöne, was diesen Weg zu einem ‘Traumpfad’ werden läßt. Fünf Tage lang durchstreifen wir von Hütte zu Hütte und von Joch zu Joch das stille Felsenreich der Belluneser Dolomiten.”

Tissi-Hütte
"Tissi-Hütte" vor der Civetta Nordwest-Wand

In unserem Tourenbuch finden wir folgendes zu lesen: “Leider startete die letzte Wanderwoche ohne Brigitte, Jolanda und Kiwi, denn für sie war gestern der Urlaub zu Ende. Die restlichen 10 Unentwegten machten sich zusammen mit Ludwig mit der Seilbahn und dem Sessellift auf zum Col dei Baldi und genossen dabei das herrliche Sommerwetter. Erster Stop war die Coldaihütte und dann ging es vorbei am Coldaisee unterhalb der Civetta Nordwest-Wand Richtung Hütte.”

Wenn man hinter dem Coldaisee ein Joch überschreitet und linkerhand die Civetta Nordwest-Wand sieht und vor einem etwas entfernt die Tissi-Hütte, dann bieten sich zwei Wege-Alternativen: links direkt an der Felswand der Civetta entlang oder rechts, erstmal bergab, dann aber wieder bergauf gehend. Der linke Weg sieht leichter aus, ist es aber nicht, wie uns Ludwig erzählte, und wie es auch Ludwig Grassler in seinem Buch beschreibt. Er ist bechwerlicher – und wegen möglichem Steinschlag auch gefährlicher. Also empfiehlt sich der rechte Weg, um sicher und ohne große Mühen die Tissi-Hütte zu erreichen.

Unsere Unterkunft:
Die Tissi-Hütte hat einen dramatischen Standpunkt und ist so gesehen die aufregendste Hütte gewesen auf dem Weg nach Venedig. Hoch oben über Alleghe wurde sie knapp vor einer steil abfallenden Felswand errichtet, wenige Gehminuten entfernt; man blickt fast senkrecht hinab auf den Ort und den See. Auf der gegenüberliegenden Seite richten sich die Felswände der Civetta auf, man hat sie direkt for sich, wenn man aus den Fenstern der Hütte blickt. Die Hütte war stark belegt, wir hatten aber das Glück einige kleinere Mehrbett-Zimmer gleich unten neben der Gaststube belegen zu dürfen. Es wurde eng abends in der Hütte, aber gemütlich.

Mittags rasteten wir an einem sonnigen Plätzchen ca. 1 Stunde unterhalb der Hütte und aßen unsere mitgebrachte Vesper. Ein kleines Mauswiesel leistete mir fast die ganze Zeit Gesellschaft.

Dann erreichten wir am frühen Nachmittag die herrlich gelegene Tissi-Hütte und genossen den unglaulichen Ausblick vom Hausberg Cima di Col Rean auf die Civetta und das beeindruckende Alpenpanorama …” … und auf dem Bauch liegend senkrecht hinunter nach Allegehe und zum Alleghesee.